Staatenbildung

Junge Ameisenköniginnen besitzen nach der Paarung im Hochzeitsflug die Hauptaufgabe, einen neuen Staat zu gründen. In einigen Fällen werden sie auch benötigt, um den Platz einer verstorbenen Königin einzunehmen. Generell lassen sich bei der Staatenbildung von Ameisen die selbstständige und die unselbstständige Staatsgründung unterscheiden.

Selbständige Staatsgründung

Bei der selbstständigen Staatsgründung entsteht eine neue Kolonie, indem die Jungkönigin an einer ihr geeignet erscheinenden Stelle eine Erdhöhle gräbt und dort eine Anzahl Eier hineinlegt. Sie selbst kümmert sich anschließend um Pflege und Ernährung der Larven. Die selbstständige Staatsgründung erfolgt ohne Nahrungssuche, da die Jungkönigin während der ganzen Zeit im Nest verharrt. Sie ernährt ihre Larven durch den Abbau von eigenem Fettgewebe und Flügelmuskulatur und verzehrt nebenbei auch einen Teil der Eier, die sie gelegt hat. Mit dieser Nahrung muss die gerade entstehende Kolonie solange auskommen, bis die ersten Arbeiterinnen herangewachsen sind, die sich sofort um alle benötigten Arbeiten kümmern. So kann sich die Königin nun endlich vollkommen auf das Eierlegen konzentrieren.
Die Gefahr der selbstständigen Staatsgründung liegt in der Schutzlosigkeit der Jungkönigin. Während der ersten Zeit, die sie alleine mit den Eiern und Larven verbringt, ist sie Fressfeinden wie Raubinsekten oder Vögeln wehrlos ausgeliefert. Diese Tatsache führt dazu, dass von tausenden begatteten Jungköniginnen nur wenige letztendlich wirklich ihren eigenen Staat bilden.

Unselbstständige Staatsgründung

Bei den meisten bekannten Ameisenarten ist die Jungkönigin allein nicht in der Lage, einen Staat zu gründen. Ihr Helferinnen bestehen, je nach Gattung, gleichartige oder fremde Arbeiterinnen sein und in einem speziellen Fall sogar fremde Königinnen.

Die Blutrote Raubameise zum Beispiel legt ihre Eier mit in die Erdhöhle einer anderen Jungkönigin, wenn sie auf eine kleinere, furchtsame Gattung trifft. Die Hilfskönigin pflegt dann beide Eierarten bis die ersten Larven geschlüpft sind – dann beißt die größere Königin ihr den Kopf ab und übernimmt den Staat. Bei fast allen anderen unselbstständigen Staatsgründungen erhalten die Jungköniginnen Unterstützung von Arbeiterinnen ihrer oder anderer Art.

Artgleiche Arbeiterinnen bilden zusammen mit der Jungkönigin einen neuen Staat, indem sie sich im Außendienst um die begattete Jungkönigin scharen und den alten Staat verlassen. Alternativ kann auch die Jungkönigin selbst Arbeiterinnen ihres alten Staates auswählen, um eine neue Kolonie zu begründen.

Artfremde Arbeiterinnen helfen eher unfreiwillig. Dieser Art der Staatsbildung geschieht durch die Einwanderung der Jungkönigin in einen fremden Ameisenstaat und der Tötung der Altkönigin. Bei dieser Form des Sozialparasitismus nehmen die fremden Arbeiterinnen die Jungkönigin als neue Königin an, sterben aber nach und nach aus, da es nicht mehr die Eier ihrer eigenen Art sind, die sie pflegen.

Comments are closed.