Interaktion mit anderen Lebewesen

In der freien Wildbahn haben Ameisen mit vielerlei Fressfeinden zu kämpfen. Vögel, Spinnen, Schlangen, Amphibien, Wildschweine und Insekten ernähren sich mit Vorliebe von Insekten. Einige Arten, wie die so genannten Ameisenlöwen, sind sogar auf das Erbeuten von Ameisen spezialisiert. Außerhalb von Europa ist der Ameisenbär von großer Bedeutung und in Mittelamerika existieren Krötenechsen, die sich fast ausschließlich von Ameisenkolonien ernähren. Einige Wirbellose imitieren die Pheromone der Ameisen und setzen damit Spuren, denen die Ameisen folgen und so ihren Feinden entgegenlaufen. Neben dieser Form der chemischen Mimikry führen spezielle Spinnentiere und Käfer eine weiter aus: Sie imitieren die Pheromone der Ameisenlarven, um von den Brutpflegerinnen getragen zu werden und ungehinderten Zugang zu den Larven zu bekommen, an denen sie sich reichlich bedienen.

Ameisengäste

Einige Insekten und Webspinnen sind zu den Ameisengästen zu zählen, das bedeutet, dass sie in Ameisenbauten leben. Dieses Zusammenleben lässt sich in drei Kategorien einteilen.
Die räuberische Form des Zusammenlebens wird Synechthrie genannt. Hier ernähren sich die Ameisengäste, zum Beispiel Bläulingsraupen oder Ameisenspinnen, von den eigentlichen Bewohnern des Baus und ihren Eiern sowie Larven. Das tun sie einerseits indem sie die Ameisen nachahmen und andererseits durch Schutzpanzer, die sie vor Angriffen bewahren.
Ameisengäste sind Tiere, die in Ameisenbauten leben. Dazu gehören vor allem Insekten, aber auch Webspinnen. Formen des Zusammenlebens sind Synechthrie bzw. Syllestium, Synökie und Symphylie.
Bei der Synökie, dem Zusammenleben ohne sonderliche gegenseitige Beeinflussung, leben die anderen Insekten, wie Grillen, Ameisenfischchen und verschiedene Springschwanzarten, von den Nahrungsvorräten der Ameisen, gefährden sie aber nicht im direkten Sinne.
Den Schutz und sogar die Fütterung der Ameisen genießen Ameisengäste wie bestimmte Kurzflügler und Keulenkäfer. Bei dieser Symphilie ziehen die Ameisen selbst einen Nutzen heraus, der in nahrhaften Drüsensekreten der Fremdinsekten besteht.

Parasiten

Neben Hämolymphe saugenden Milben können Ameisen auch von einer Art Milben befallen sein, die auf ihnen leben und sie durch Reizung dazu bringen, für sie nahrhafte Nahrungstropfen abzugeben. Andere Milben leben gezielt bei den Ameisenlarven und lassen sich von den Brutpflegerinnen durchfüttern. Innenparasitäre Belästigungen erfahren Ameisen besonders durch einige Schlupfwespenarten, verschiedenen Fadenwürmern sowie Leberegeln.

Ameise und Mensch

Bei uns einheimische Ameisenarten sind normalerweise ungefährlich. Zwar können ihre Bisse die Haut reizen, haben aber keine weiteren Konsequenzen für den Menschen. Anders dagegen ist es in Australien, wo die Rote Feuerameise inzwischen heimisch ist. Ihre Bisse und das Gift ihres Stachels können bei manchen Menschen Allergien auslösen und zu Reaktionen wie auf Bienen- oder Wespenstiche führen.
Wirtschaftlich gesehen spielen die Ameisen ebenfalls eine Rolle: Bestimmte Ernteameisen, die allgemein als Holzschädlinge angesehen werden, können in der Forstwirtschaft förderlich sein, indem sie die Umsetzung und den Abbau von Holz beschleunigen, das schon von anderen Schädlingen befallen ist. Negativ wirken sich samensammelnde Ameisen nur auf die Landwirtschaft aus, wenn sich zu viele Produktionsstätten und Speicher an einem Ort ballen. Im Normalfall allerdings begünstigt ihre Anwesenheit die Produktion, da sie parasitischen Schädlingskäfern entgegenwirkt.
Einen bedeutenden Beitrag zur Forstwirtschaft in tropischen und subtropischen Regenwäldern leisten außerdem die dort heimischen Treiber- und Wanderameisen. Sie sind auch in Wohngegenden dort willkommen, da sie noch schädlichere Insekten effektiv beseitigen. In speziellen Regionen werden Ameisen sogar als Nahrungsmittel für den Menschen genutzt.

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