Ernährung

Unter den auf der Welt verbreiteten Ameisenarten, deren Zahl die zwölftausend übersteigt, finden sich die unterschiedlichsten Ernährungsgewohnheiten. Das Fressverhalten der Ameisen ist nicht nur vielseitig, sondern in den meisten Fällen auch ein ausgeklügeltes System, von dem wir uns noch einige Kniffe abgucken können.

Allesfresser

Bei uns in Deutschland ist insbesondere die Rote Waldameise heimisch. Sie gehört zu den Ameisen, die sich als Allesfresser einen Namen machen. Neben wirbellosen Tieren (Spinnen, Regenwürmer…) und Insekten (Fliegen, Raupen, Schmetterlinge…) besteht ihre Nahrung vor allem aus den Ausscheidungen verschiedener Lausarten, die als Honigtau bezeichnet werden. Auch verschiedene Pflanzenteile (Samen, Pollen, Früchte…), Sekrete aus Nektarien (floral und extrafloral) gehören zum Menü. Wenn eine einzelne Arbeiterin der allesfressenden Ameisen auf ein Beutetier trifft, das für sie allein nicht zu bewältigen ist, greift sie trotzdem an und versucht, ihm eine Wunde mit ihren Kiefernzangen zuzufügen, in die sie dann Ameisensäuren aus ihrer Giftdrüse spritzen kann. Diese schwächen einerseits das Beutetier und signalisieren durch leichte Verflüchtigung den anderen Arbeiterinnen, dass Unterstützung gebraucht wird.

Nutzung von pflanzensaugenden Insekten

Einige Ameisenarten leben in gegenseitiger Abhängigkeit (Symbiose) mit an Pflanzen saugenden Insekten. Meistens handelt es sich hierbei um Blattflöhe, Blattläuse und phloemsaugende Schildläuse. Das Phloem ist einerseits reich an Kohlenhydraten, andererseits arm an Protein, sodass Phloemsauger nur etwa zehn Prozent der Kohlenhydrate verbrauchen. Da sie den Überschuss als zuckerreichen Honigtau wieder ausscheiden, kann dieser von den Ameisen als wichtigste Kohlenhydratquelle genutzt werden. Dieser Vorgang wird als „melken“ bezeichnet. Im Gegenzug werden die pflanzensaugenden Insekten von den Ameisen vor Fressfeinden geschützt. Bestimmte Ameisenarten lassen die Phloemsauger sogar in ihrem Nest überwintern und schützen die Eier vor Kälte. Auch vom Regen fortgespülte Larven der anderen Gattung werden von den Ameisen wie selbstverständlich gesucht und zurück gebracht. Selbst Kriege verschiedener Ameisenkolonien um die Herrschaft über bestimmte Blattlauskolonien wurden schon beobachtet. So erhalten sich die Ameisen ihre praktische und wichtige Nahrungsquelle.

Samenfresser

Die meisten Ameisenarten in wärmeren Gebieten, vor allem in Afrika, sammeln Getreide- und Grassamen, die sie in ihrem Bau ansammeln und sich ausschließlich von ihnen ernähren. Hier handelt es sich also um Pflanzenfresser. Bei einigen Arten verfügen die Arbeiterinnen über vergrößerte Mandibeln, mit denen sie auch harte Samen zu knacken vermögen.

Pilzzüchter

Eines der ausgeklügeltesten und erstaunlichsten Fressverhalten legen Ameisenarten zu Tage, die Pilzzuchten betreiben. Ihre Nester befinden sich oft bis zu acht Meter über dem Boden. In ihnen züchten sie einen schimmelähnlichen Pilz und leben mit diesem und einem Bakterium in einer faszinierenden und seltenen Dreiersymbiose.
Den speziellen Nährboden, den der Pilz benötigt, produzieren die Ameisen durch das Zerkauen von Blatt- und Pflanzenteilen zu einer breiigen Masse, die weitestgehend Fungizidfrei ist. Im Gegenzug bildet der Pilz an den Enden seiner Pilzfäden eiweißreiche Verdickungen, die den Ameisen als Proteinquelle dienen. Außerdem entschlüsseln die Pilze die Cellulose der pflanzlichen Materialien, so dass sie von den Ameisen verwertet werden kann und bauen Insektizide ab.

Der Dreiersymbiose angehörig sind schließlich noch die Streptomyces-Bakterien, die sich an die Unterseite der Ameisen haften und dort ihren Lebensraum haben. Sie produzieren antibakterielle als auch fungizide Stoffe, was den Ameisen zum Schutz ihrer Pilze vor hochspezialisierten Parasiten verhilft, die die Ernte der Ameisen bedrohen.
Alternative Ameisenarten züchten ihre Pilze auf Raupenkot oder wahlweise anderen organischen Materialien.

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